Peter Heusser: Anthroposophie und Wissenschaft

Elemente der Naturwissenschaft 112, 2020, S. 104-108 | DOI: 10.18756/edn.112.104

Zusammenfassung:

Es ist nicht leicht, ein Buch zu rezensieren, bei welchem man den Eindruck hat, in jeder Seite stecke mindestens eine Woche Arbeit! Der Autor hat sich zum Ziel gesetzt, einen Bogen zu schlagen von der erkenntniswissenschaftlichen Fundierung der Anthroposophie bis hin zu den praktischen klinischen Studien zur Anthroposophischen Medizin – ein ge- waltiges Unterfangen! Die Bedeutung einer solchen Aufgabe wird deutlich, wenn man sich klar macht, wie stark einerseits der Zulauf zu alternativen oder komplementären Therapien ist, und wie wenig sie andererseits im Sinne der Wissenschaftlichkeit fundiert sind. Ähnliches liesse sich auch für die Waldorfpädagogik sagen, anderenfalls wären die absurden Forderungen nach «Waldorf ohne Anthroposophie» längst gegenstandslos. – Wer allerdings eine «goetheanistische Naturbetrachtung» oder eine Fülle praktischer medizinischer Beispiele erwartet, wird enttäuscht sein – das ist nicht das Anliegen des Buches.

Nach einem ersten Kapitel als Einleitung beginnt der Autor seine Darstellung mit einer Untersuchung des Erkenntnisvorgangs im allgemeinen Sinne in enger Anlehnung an Steiners erkenntnistheoretische oder erkenntniswisssenschaftliche Schriften. So wird insbesondere herausgearbeitet, dass der Begriff, der Gedanke, das Gesetz Teil der Wirklichkeit ist und nicht nur dem denkenden Subjekt angehört. In diesem Sinne wird die Steiner’sche Erkenntnisanschauung als «objektiver onthologischer Idealismus» entwickelt. Auf eine detailliertere Auseinandersetzung mit anderen moderneren Auffassungen lässt sich der Autor allerdings fast nicht ein, nur wenige Bezüge z.B. zu Hegel und Popper werden erwähnt. Es ist klar, dass eine solche Auseinandersetzung den Rahmen des Buches sprengen würde.